Was machen Bienen im Winter? Die Wintertraube einfach erklärt
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Wenn am Flugloch kaum noch Bewegung zu sehen ist, wirkt ein Bienenvolk im Winter beinahe verlassen. Hinter den Wänden der Beute bleiben die Honigbienen jedoch aktiv: Sie halten sich warm und leben von ihren Vorräten. Wer versteht, was dabei geschieht, kann Beobachtungen am winterlichen Bienenstand besser einordnen.
Eine Gemeinschaft, die Wärme bewahrt
Honigbienen überwintern gemeinsam mit ihrer Königin. Bei Kälte rücken die Arbeiterinnen zwischen den Waben zusammen und bilden die Wintertraube. Der Begriff beschreibt ihre kompakte Anordnung; die Waben bleiben dabei Teil ihres Lebensraums.
Wärme entsteht durch die Tätigkeit der Flugmuskulatur. Dafür müssen die Bienen nicht ausfliegen. Die dicht sitzenden Tiere helfen, die erzeugte Wärme zu halten. Auch die Positionen innerhalb der Gemeinschaft können wechseln. Es handelt sich also um ein lebendes, anpassungsfähiges Gefüge und nicht um eine starre Kugel.
Mit der Witterung verändert sich, wie eng die Bienen beieinandersitzen. Eine einzelne Temperaturangabe erklärt deshalb die Wintertraube nur unzureichend: Entscheidend sind unter anderem der Messort und die Frage, ob das Volk Brut versorgt.
Winterbienen tragen das Volk bis zum Frühjahr
Im Spätsommer und Herbst entstehen langlebige Winterbienen. Ihre körperlichen Reserven helfen ihnen, die kalte Jahreszeit zu überstehen und später an der Aufzucht neuer Arbeiterinnen mitzuwirken. Die Grundlage dafür wird schon vor dem Winter gelegt.
Dazu gehört eine gute Ernährung während ihrer Entwicklung. Ein Forschungsteam der Universität Würzburg berichtete 2025 über einen Zusammenhang zwischen vielfältigen Pollenquellen und höheren Überlebensraten von Bienenvölkern im Winter. Für die Planung eines Bienenstandes lohnt sich deshalb auch der Blick auf das Blütenangebot im Jahresverlauf. Zuckerhaltiges Winterfutter liefert Energie; es erfüllt nicht dieselbe Aufgabe wie Pollen in der Ernährung der Bienen.
Futter muss erreichbar bleiben
Auch ohne Sammelflüge verbraucht ein Volk Energie. Es greift auf die eingelagerten Vorräte zurück, um seine Lebensfunktionen und die Wärmeerzeugung aufrechtzuerhalten. Beginnt wieder die Brutpflege, steigt der Bedarf.
Eine schwere Beute ist dabei noch keine Garantie für eine ausreichende Versorgung am Bienensitz. Bei anhaltender Kälte kann ein Volk den Kontakt zu den verbliebenen Futtervorräten verlieren. Das LAVES-Bieneninstitut hat dieses Problem anhand eines langen Winters beschrieben: Futter im Kasten und für die Bienen erreichbares Futter sind nicht immer dasselbe.
Gewichtsverlauf, Witterung und bisherige Beobachtungen sollten deshalb gemeinsam betrachtet werden. Besteht konkreter Verdacht auf Futtermangel, ist eine zeitnahe fachkundige Beurteilung sinnvoll. Aus Sorge vor Störungen ein erkennbares Problem zu ignorieren, wäre ebenso wenig hilfreich wie häufiges Öffnen ohne Anlass.
Was lässt sich von außen kontrollieren?
Viele sinnvolle Winterkontrollen beginnen mit einem ruhigen Rundgang. Besonders nach stürmischem Wetter lohnt sich ein Blick auf den Zustand des Standes:
- Sitzen Deckel und Sicherungen noch richtig?
- Sind Schäden oder eingedrungene Feuchtigkeit erkennbar?
- Ist der vorgesehene Zugang am Flugloch frei, und sitzt der Mäuseschutz?
- Schlagen Äste oder lose Teile gegen die Beuten?
Unnötige Erschütterungen und wiederholtes Öffnen sollten vermieden werden. Notieren Sie Auffälligkeiten mit Datum und Wetterlage. So entsteht über mehrere Besuche ein nützlicher Verlauf, statt jede einzelne Beobachtung isoliert zu bewerten.
Drei Fragen, die im Winter häufig auftauchen
Halten Honigbienen Winterschlaf?
Nein. Auch wenn draußen wenig zu sehen ist, bleibt das Volk aktiv und benötigt Nahrung für die Wärmeerzeugung.
Ist jedes Volk im Winter brutfrei?
Das lässt sich nicht allein am Kalender ablesen. Die Brutaktivität hängt unter anderem vom Witterungsverlauf ab. Für Entscheidungen zur Varroabehandlung sind die tatsächliche Situation des Volkes, aktuelle Fachberatung und die Gebrauchsinformation des jeweiligen zugelassenen Mittels maßgeblich.
Muss ich die Wintertraube regelmäßig ansehen?
Eine Durchsicht aus bloßer Neugier bringt vermeidbare Unruhe. Kontrollen sollten eine konkrete Frage beantworten und zur Witterung passen.
Den Winter auch für die nächste Saison nutzen
Während am Stand vor allem gezielte Beobachtung gefragt ist, lässt sich in der Werkstatt vieles vorbereiten: beschädigte Beutenteile instand setzen, Rähmchen prüfen und die Aufzeichnungen der vergangenen Saison durchgehen. Welche Arbeit kam zu spät? Welches Material fehlte? Solche Fragen helfen, mit einem klaren Plan ins Frühjahr zu starten.
Weitere praktische Hinweise finden Sie in unseren Beiträgen zur Fütterung im Spätsommer und zum Herbstcheck der Beute.
Quellen und weiterführende Informationen
Eigenständig formulierter Wissensbeitrag für Nektar24. Die folgenden Veröffentlichungen dienen der fachlichen Einordnung; Texte und Abbildungen wurden nicht übernommen. Stand: Oktober 2026.
- Museum für Naturkunde Berlin, Vrinda Schallnau: Wie überwintern Bienen? – zur Wintertraube der Honigbienen.
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau: Bienenpflege und Herbst- und Winterarbeiten – zum Jahresverlauf und zu Standkontrollen.
- LAVES, Institut für Bienenkunde Celle: Bienen droht der Hungertod – historischer Hinweis zum Futterabriss bei anhaltender Kälte.
- Universität Würzburg, 15. Mai 2025: Mit ausgewogener Ernährung durch den Winter – Forschung zur Pollenvielfalt.